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| Eine fiktive Krankheit wird zur Metapher eines Ausstieges aus der beruflichen Enge, dem täglichen Trott und gesellschaftlichen Zwängen. Der gutaussehende Anwalt Tim Farnsworth hat eigentlich ein erfülltes Leben: Erfolg im Beruf, einen gewissen Reichtum und ein prachtvolles Haus. Dazu kommt familiäres Glück. Er liebt seine Familie, und seine Frau Jane liebt ihn immer noch. Seine etwas pummelige und musikversessene Tochter Becka ist für ihn das schönste Mädchen auf der Welt. Obwohl er oft bis in alle Nacht hinter seinem Schreibtisch in der angesehenen Anwaltskanzlei Troyer & Barr sitzt, liebt er auch seinen Job. Eines Tages beginnen seine Wanderungen, vorerst nachts wie ein somnambuler Irrläufer. Er tut dies nicht, weil es ihm gerade drum ist, es geschieht einfach. Vorsorg-licherweise steht ein gepackter Notfallsrucksack bereit, doch es kommt immer wieder vor, dass Tim irgendwo halb erfroren aufgefunden wird. Ein unkontrollierter Ausbruch ins Freie, wie wenn er zeitweilig dem Alltag entfliehen müsste. Es werden Spezialisten bemüht, Kapazitäten im In- und Ausland. Eine rationale Erklärung fehlt, und das Phänomen wird in der medizinischen Literatur nirgends beschrieben. Zu Beginn konnte er seine unfreiwilligen Wanderungen noch als familiäres Geheimnis bewahren. Allmählich wurden jedoch in der Kanzlei seine unkontrollierten Absenzen registriert. Eine innerbetriebliche Abstufung war die bittere Folge. Seine Frau und Tochter hatten es allmählich satt, ihn mitten in der Nacht von irgendwoher heim zu holen. Seine Ehe schlitterte in eine Krise, Jane wurde aus lauter Verzweiflung zur Alkoholikerin. Und Tim wurde mehr und mehr zu einem gesundheitlichen Wrack. Um seine Befindlichkeit und seine Beschwerden auszudrücken, bediente er sich einer ureigenen Terminologie.“ Er fühlte sich innerlich unverleimt. Seine Nerven waren ausgelatscht wie eine Gitarre mit schlaffen, ausgeleierten Saiten. Seine ganze Muskulatur sei komplett überrackert“. Er litt unter Gehbeschwerden und Rückenschäden, unter Hitzschlägen und Dehydrierung, unter Erfrierungen und Infekten. Ein Sonderling wie er wurde auch von übereifrigen „Beamten schikaniert und von bösen Menschen drangsaliert“. Tim fühlte sich wie im Krieg, und den wollte er gewinnen. Er war über-zeugt davon, dass sein Körper eine „eigene Intelligenz, ein uneinnehmbares zelluläres Willenszentrum besaß“ und wohl wandern würde, „bis er als bleiches Gerippe zusammenbricht“. Als er von der Krebserkrankung seiner Frau hörte, wollte er sie am Krankenbett besuchen. Jetzt hatte seine Wanderung ein Ziel, eine Richtung. Er hatte seine Lehren aus den Notsituationen gezogen und sich darauf eingestellt und entsprechend outdoorgerecht ausgerüstet. „Gesund wurde er nicht wieder, das Wandern hörte nie auf. Nur die Art des Wanderns und seine Einstellung dazu änderten sich.“ „Grandios“ (Time Magazine) – „Schmerzhaft schön“ ( The New Yorker) | |||||||||||||

